Dieser Empfang war überwältigend
Januar 1990
Dieser Empfang war überwältigend
Ostberliner Teams spielten in Heidenau
oz Heidenau – Das ganze Dorf war auf den Beinen. Als der Bus mit den Sportlern der BSG Verkehrsbetriebe Berlin in Heidenau ankam, wurden die Gäste mit einem Riesenempfang begrüßt. Neben vielen Einwohnern waren Kreissportbund-Vorsitzender Uwe Stier, ehemals Vorsitzender in Heidenau, Bürgermeister Heinz Oelkers und der Spielmannszug erschienen, um die 30 Ostberliner zu begrüßen.
Für diesen Empfang möchte ich mich auch im Namen unserer Gäste herzlich bedanken.
— Klaus-Dieter Lehmann
Bis 1952 hatte der Vorsitzende des TSV Heidenau noch bei Lokomotive Lichtenberg, dem Vorläufer der BSG Verkehrsbetriebe, Handball gespielt.
Seitdem ist der Kontakt nie abgerissen. Über den Deutschen Sportbund wurde dieser Besuch jetzt ganz offiziell in die Wege geleitet.
— Klaus-Dieter Lehmann
In Heidenau wurden den 30 DDR-Sportlern, 15 Handball- und 15 Fußballspielern, alle privat untergebracht, ein reichhaltiges Programm angeboten. Vor allem der Besuch des Hamburger Fischmarktes fand großen Anklang.
Doch auch bei den beiden sportlichen Vergleichen hatte dies Reiz: Beim Handball siegte der TSV Heidenau mit 27:17. Doch beim Fußball lag die Favoritenrolle auf Seiten der BSG Verkehrsbetriebe Berlin, deren Kombinat 11 000 Mitarbeiter umfasste.
Denn die Berliner spielen in der Bezirksklasse (nicht vergleichbar mit der gleichnamigen Klasse hierzulande), während Heidenau nur in der Kreisliga kickt. Am Ende kam dennoch ein freundschaftliches 3:3-Unentschieden heraus.
Bei uns haben zwei wichtige Spieler gefehlt, dem Spielverlauf nach hätten wir gewinnen müssen.
— Gerd Hischer, BSG-Trainer
Freundschaftlicher Wimpeltausch: Vorn links: Jürgen Bade (Heidenau), rechts der Berliner Jürgen Müller. Foto: Bernd R. Höhns
Trainer Gerd Hischer
Befürchtungen eines Trainers
Über die veränderte Situation im DDR-Sport sprach HR-Mitarbeiter Olaf Zimmermann mit dem Fußball-Trainer der BSG Verkehrsbetriebe Berlin, Gerd Hischer.
HR: Wie schlagen sich die Umwälzungen im Bereich des Sports nieder?
In mehrfacher Hinsicht: Wir haben in den vergangenen zwei Jahren komplette Mannschaften, insgesamt 30 Leute, verloren. Unser Spielbetrieb ist auch unmittelbar betroffen, denn viele Privilegien, die meine Spieler bislang genossen, fallen jetzt weg. Wie zum Beispiel die Freifahrtscheine oder auch der Umstand, dass die Spieler der Fußball-Mannschaft vorher bis 15 Uhr zu arbeiten brauchten.
— Gerd Hischer
HR: Befürchten Sie, dass die Abwanderung von Spielern weitergeht?
Ich glaube schon. Der Weg zum Training bei einem Verein in West-Berlin ist für viele Spieler nicht länger als jetzt und nur dort wird bereits in fast allen Spielklassen Geld gezahlt.
— Gerd Hischer